Wozu sind Kriege da?


Heute erinnert die Menschheit des am 01. September 1939 – genau vor 70 Jahren – verbrochenen Beginns des 2. Weltkrieges …

Selbst kennen wir Nachgeborenen nur die Erzählungen der Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern darüber. Aber jeder kennt so einzelne Sätze, die sich einem in solchen Erzählungen in die Erinnerung wie eingebrannt haben …

So sagte mir Mitte 80er Jahre in Saarbrücken-Burbach eine damals auf die 100 Jahre zugehende alte Dame und Nachbarin, die im Hause ihrer zu Wohlstand gekommenen Tochter lebte, auf meine Frage, wer denn der junge Mann in Wehrmachtsuniform auf ihrer Wohnzimmeranrichte sei – das Bild zeigte einen jungen Soldaten im Alter vielleicht Willi Grafs, Hans Scholls, Alexander Schmorells -, dass dieses ihr gefallener Sohn sei – und bemerkte dazu ganz unsentimental aber fest und leise: „Das Beste ist im Krieg geblieben.“ …

Man sagt zu einer grundlegenden Erkenntnis auch Quintessenz: Diese verdanke ich dieser alten Dame …

… Mein unschätzbar kostbares geistiges Erbe.

Wieviele Menschen könnten mir den gleichen Satz so auch sagen? – Sind es nicht alle(!?) …

Im St. Galler Tagblatt vom 01. September 2009 – also heute – steht folgende Traueranzeige nach einem tragischen Schiessunfall:

«Wir wollten noch vieles mit dir erleben. Dir so vieles sagen, dich Dinge fragen. Dich sehen, mit dir lachen, weinen und durchs Leben gehen»


Kein einziger Mensch macht Tote, diese Toten wieder lebendig, aber wäre es nicht menschlich, – machte uns erst zu Menschen -, wenn wir ihrem Sterben ernstlich jetzt endlich Sinn geben?!

Ansonsten drohte wohl der gesamten Menschheit nur die ewige Scham, Schimpf und Schande über ihr immer sich wiederholendes, tragisches Versagen


Gunther Thriene


Anmerkung: Der Titel ist dem gleichnamigen Lied Udo Lindenbergs entlehnt, dessen Geschichte der deutsch-russischen Fassung mit Alla Pugatschowa hier nachgeforscht wird:

„Keiner will sterben, das ist doch klar.
Wozu sind denn dann Kriege da?
Herr Präsident, Du bist doch einer von diesen Herr’n.
Du mußt das doch wissen.
Kannst‘ mir das mal erklär’n?
Keine Mutter will ihre Kinder velier’n
und keine Frau ihren Mann.
Also warum müssen Soldaten losmarschier’n?
Um Menschen zu ermorden – mach mir das mal klar.
Wozu sind Kriege da?
Herr Präsident, ich bin jetzt 10 Jahre alt
und ich fürchte mich in diesem Atomraketenwald.
Sag mir die Wahrheit, sag mir das jetzt,
wofür wird mein Leben auf’s Spiel gesetzt?
Und das Leben all der ander’n – sag mir mal warum.
Sie laden die Gewehre und bring’n sich gegenseitig um.
Sie steh’n sich gegenüber und könnten Freunde sein.
Doch bevor sie sich kennenlernen, schießen sie sich tot.
Ich find‘ das so bekloppt. Warum muß das so sein?
Habt ihr alle Milliarden Menschen überall auf der Welt gefragt,
ob sie das so wollen,
oder geht’s da auch um Geld?
Viel Geld für die wenigen Bonzen, die Panzer und Raketen bau’n
und dann Gold und Brillianten kaufen für Ihre eleganten Frau’n.
Oder geht’s da nebenbei auch um so religiösen Zwist,
daß man sich nicht einig wird, welcher Gott nun der Wahre ist?
Oder was gibt’s da noch für Gründe, die ich genauso bescheuert find‘?
Na ja, vielleicht kann ich’s noch nicht verstehen,
wozu Kriege nötig sind.
Ich bin wohl noch zu klein.
Ich bin ja noch ein Kind.“


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