Der Familie von Moltke: “Das alte Testament ist nationalistisch.”

 

Am 17. März 1944 schreibt Helmuth James Graf von Moltke aus seiner Gefängniszelle im KZ Ravensbrück seiner Frau Freya in Kreisau, Niederschlesien …

… Nun zu den Fragen Deines Briefes. Das alte Testament ist nationalistisch. Das ist ganz klar, denn damals dachte ja noch niemand an einen Welt-Gott. Aus dem Stammesgott der Juden ist ja in der Prophetie nur dadurch allmählich ein Welt-Gott geworden, dass die anderen Völker als Werkzeuge eingesetzt wurden, um das sündigende auserwählte Volk zu strafen; daraus ergab sich incidenter, dass der Stammesgott der Juden den Göttern anderer Völker übergeordnet sein musste, und das leitete dann unmerklich zum Welt-Gott über, der sich im Christentum, insbesondere im paulinischen, aus Heiden und Steinen die Kinder schafft, für die die Abraham gegebene Verheißung gilt, da die fleischlichen Kinder Abraham`s versagt haben. Die volle Konsequenz aus dieser Erkenntnis zieht ja eigentlich noch nicht einmal Christus, sondern erst Paulus, wenn auch auf klaren Befehl Christi, vor allem auf die Einsetzung der Taufe, gestützt. Aber was das bedeutet, haben die 3 ersten Evangelien jedenfalls nicht voll erkannt, und unter den Aposteln wäre das vielleicht ohne Paulus auch wieder versackt. Vergleiche dazu seinen Bericht über Besprechungen mit den anderen Aposteln Gal. 2 und 3. Das, was Dich da stört, ist historisch zu erklären. …

Aus: Helmuth James von Moltke, Im Land der Gottlosen, Tagebuch und Briefe aus der Haft 1944/45, München 2009, Seite 215f.

Mit seinen letzten Briefen aus dem Gefängnis Berlin-Tegel hält man mit diesem Vermächtnis einen weltgeschichtlichen Schatz in Händen.

Wir erinnern uns:

Kreisau wurde vom Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke, Sieger des preussisch-österreichischen Krieges von 1866 und des deutsch-französischen Krieges von 1871, als Alterssitz erworben.

Wir kennen Friedrich Nietzsches Notiz zum Ergebnis des deutsch-französischen Krieges von 1870/71:

Dies ist die Niederlage, ja Extirpation des Deutschen Geistes zu Gunsten des deutschen Reiches.

Des Generalfeldmarschalls Neffe Helmuth Johannes Ludwig von Moltke war preussischer Generaloberst und von 1906 bis 14. September 1914 Chef des Großen Generalstabes. Er und seine Frau Eliza hatten beide engen Kontakt zu Rudolf Steiner. Er als auch Rudolf Steiner waren bekannte Gegner der alleinigen deutschen Kriegsschuld.

Der Erbe dieses Gutes Kreisau1, der Urgrossneffe Moltke des Älteren, oben zitierter Helmuth James Graf von Moltke, wiederum wird noch im Januar 1945 von den Nationalsozialisten nach einem „Justizverfahren“ vor dem Volksgerichtshof in Berlin-Plötzensee ermordet.

Für was!?

Helmuth James von Moltke starb mit nur 37 Jahren. In dem Alter kann man noch glauben wie diese: „Mit Jesus gegen das Hitler-Regime„. – Der Dämonie dieses Bösen wurde und wird man damit leider nicht gerecht …

Freya von Moltke, seine Witwe, sagte Jahrzehnte später2 einmal:

Der Widerstand gibt uns Deutschen die Möglichkeit, uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf herauszuziehen.

Sie sagte “ … uns Deutschen …“:

Um diesem grossen Wort gerecht zu werden, braucht es jetzt 80 Millionen Widerständler – fest im Geist – das Dreigestirn dreier Großer von Moltkes und ihre Lebenslinien als Wegbereiter eines geistigen Europa stets im Sinn.


Gunther Thriene

 

1) „Interessant“, dass für manchen dieser Weltkrieg auch im Jahre 2009 noch nicht so recht zu Ende ist. So schrieb DIE WELT am 05. Mai 2009: „… Wenige Tage vergingen, und die Regierungschefs Kohl und Mazowiecki, zwei christliche Demokraten, trafen sich zur historischen „Versöhnungsmesse“ im schlesischen Kreisau. Man schrieb den 9. November. Wenige Stunden später fiel in Berlin die Mauer.“ – Das klingt zwar römisch-katholisch nett, ist aber historisch falsch: Dieser so politisch vereinnahmte und/oder falsch überhöhte Kultus fand drei Tage später in Kreisau am 12. November 1989 statt.

2) Ursprünglicher Link:   http://soziale-demokratie.de/30-31-94.doc.html

 


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