Wer schützt in Europa 10 Jahre lang einen Mörder?

 

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man.

Schaut man sich die Welt etwas genauer an, bekommt man da so seine Fragen:

Der Zufall wollte es, dass ich am 14.o1.1999 als Vertretungslehrer vor der Klasse Paul Spirigs im Realschulhaus Engelwies in St. Gallen stand1. Nie in meinem Leben als Lehrer vorher und nachher habe ich mich geistig so intensiv auf ein Unterrichtsgespräch vorbereitet wie an diesem Tage: Was sagst du 14-, 15-, 16jährigen, denen ein Mörder 3 Tage vorher den verehrten, ja geliebten Lehrer kaltblütig wenige Meter vom Klassenzimmer entfernt erschossen hatte!?

Für einen jungen Menschen ist das unbegreifbar, unverarbeitbar – und wir Kollegen dort haben eigentlich die Traumatisierung „auswachsen lassen müssen“: Als der letzte Jahrgang, der diesen Mord miterlebt hatte, die Schule verlassen hatte, war das Thema zumindest nicht mehr täglich präsent …

Diese Erkenntnis ist aber auch eine schwere Last: Solche Traumatisierungen wie im Engelwies oder anderswo sind kaum zu verarbeiten und beschäftigen lebenslang, weil ein Sphäre quasi zerstört ist, die wir Schule hiessen.

Es gibt Grundbedingungen des Lernen und Erziehens2, die heute wieder bewusst „gebildet“ im Sinne des Wortes werden müssen, wollen wir nicht in einer unmenschlichen Abartigkeit mit „Ehrenmorden“ als Menschen scheitern.

Eine solche Schule weiht sich im Innersten immer dem Wesen, das von sich sagte:  „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Ist das nicht die Schule, für die Paul Spirig gelebt und so tragisch gestorben ist?

Betrachten wir die 10 Jahre seither und das Resumee des Schulleiters heute3:

… Am 27. September 2008 erreichte Andy Prinzing die bislang letzte Nachricht über Ded Gecaj. Das oberste Gericht in Kosovo unter Vorsitz eines amerikanischen Richters hatte ihn aus einer erneuten Auslieferungshaft entlassen. Einmal mehr war die Überstellung an die Schweizer Justiz gescheitert, um die man sich auch nach dem serbischen Skandalurteil im Jahr 2000 bemüht hatte. …

Ist Europa bei Sinnen, solchen Mörder frei und unbestraft zu halten!?

Wir schaffen so nicht Europa, sondern sein Gegenbild, wie der NS-Staat das vollkommene Gegenbild Deutschlands war, ist und immer bleiben wird.

 

NACHTRAG 02. September 2010: Auslieferung Ded Gecaj’s an die Schweizer Justizbehörden

NACHTRAG 24. November 2010: SR DRS „Ded Gecaj hat sich am vergangenen Wochenende in seiner Zelle im Regionalgefängnis St. Gallen umgebracht. Dies gaben die Behörden nach Abschluss der gerichtsmedizinischen Abklärungen bekannt.“

Am 23. März 2012 erschienen dazu von Janine Spirig Aufzeichnungen unter dem Titel ASCHE UND BLÜTEN.

Dazu das Schweizer Fernsehen

Die NZZ dazu …

 

WAS DIESE SCHWEIZER QUALITÄTSMEDIEN nicht wissen oder verschweigen:

Anfang des Jahres 2004 – also etwa in der Mitte der in der Überschrift erwähnten 10 Jahre(!) – ermittelte die Kantonspolizei St. Gallen im selben Schulhaus wieder einmal. Ein anderer Fall, es ging nicht um Mord, aber wieder einmal um den Vorwurf sexistischer Niederträchtigkeiten gegenüber den Schülern … – offensichtlich begangen von einem deutschen ‚Lehrer‘.

 

Wer wirklich denken kann, sollte die Frage in der Überschrift beantworten können – ganz ohne Mithilfe der Polizei oder ‚aufklärender‘ Medien.

Wirklich denken lernen – damit dieser Wunsch Janine Spirigs endlich Wirklichkeit werden kann und nicht weiterhin nur tragisches Wunschdenken bleibt:

… Mögen Konzepte, Vorstellungen oder äussere Mauern einstürzen, von innen her, nach aussen, dringt unentwegt die Lebensessenz, und wer weiss, vielleicht durchstösst sie eines Tages die verhärtete Schale der Erde und ein neues Menschsein wird geboren.

 

Gunther Thriene

 

1) DER TAGESSPIEGEL, Berlin recherchierte damals mehrmals: „WARUM IST DER MÖRDER GECAJ FREI?“ von Jürgen Schreiber erschien dort im Dezember 2001. – (Als PDF-Datei hier)

2) St. Gallen liegt an der SBB-Bahnstrecke Richtung Basel. Dort umsteigen Richtung Dornach

3) Zitat aus der schweizer Zeitschrift DAS MAGAZIN 01/2009

 

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