„Wie rettet man sein Ich aus den Wirbelstürmen der Zeit?“

 

…, fragt Alexander Kissler in seiner Rezension der Moltke-Biographie.

Man liest dieses Buch, das über 20 Jahre „wuchs“ – und dennoch ein Fragment blieb -, oft berührt. Da versucht einer Geschichte so detailliert zu beschreiben – das veröffentlichte Fragment von etwa 300 Seiten ist eine Kürzung aus 2000 Seiten Typoskript -, um das Wesentliche deutlich zu machen.

Und: Obwohl uns nur ein grossartiges Fragment bleibt, sagt es alles.

Kurz vor dem Ende beschreibt Jochen Köhler folgendes: Der 1907 geborene weltgewandte Helmuth James von Moltke hatte sich selbst bereits journalistisch betätigt, weil er gute Bekannte, ja Freunde, in den Kreisen auch der Internationalen Presse in Berlin gefunden hatte.

… Im Februar 1931 führte er zusammen mit Dorothy Thompson ein Interview mit Gottfried Feder – von dem das NSDAP-Parteiprogramm stammte – und einem der Strasser-Brüder vom sozialistischen Flügel der NSDAP: «Er fand die beiden weder närrisch noch wild», er verstand sie einfach nicht: «Es sei, als ob man Astronomie mit jemandem diskutiert, der glaubt, nicht die Sonne sei das Zentrum unseres Systems, sondern, sagen wir, der Saturn», berichtet die Mutter …

… Dorothy von Moltke in ihrem wöchentlichen Brief an ihre Eltern in Südafrika am 07.02.1931. Sie spricht so wenige Jahre vor ihrem plötzlichen Tod im Jahre 1935* aus, was war und wurde: Saturn anstatt Sonne.

Wir dürfen wählen, ob wir wieder den Zelotenweg gehen wollen – oder eben nicht.

Ich persönlich ziehe die Rettung meiner Seele dem allerdings unbedingt etwas vor …

 

Gunther Thriene

 

*) Dorothy von Moltke starb am 11. Juni 1935 bei einem Besuch der Verwandten von Rittberg in Białowąs/Balfanz, Westpommern.

 

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