Chaos zu Kairos wandeln – und mehr …


Jeder Erwachsene, ja schon fast jeder Jugendliche erlebt sich heute vor einer zerbrochenen, zerbrechenden Welt. Allzuviele scheitern daran, geraten in eine Drogenproblematik etcetc., aus der es auch gute Hilfe gibt:

im heilpädagogischen Bereich

im medizinisch-therapeutischen Bereich

im kunsttherapeutischen Bereich.

Diese Hilfsmöglichkeiten sind zum Teil gut, ja exzellent. Insbesondere nach Inanspruchnahme solcher Hilfen stellt sich für den Menschen aber die Frage nach dem Sinn und Zweck solcher Lebensschwierigkeiten – und er erlebt häufig, dass die wirklich ihm wichtigen Probleme und Fragen nur ganz individuell von ihm selbst gelöst werden können und müssen.

Davor erschrickt man häufig, denn es ist das Erwachen dafür, dass nur ich selbst für dieses, mein Leben verantwortlich bin, ja sein kann: Sehr viele soziale Probleme entstehen daraus, dass jeder Mensch sich offensichtlich erst einmal gegen diese Selbstverantwortlichkeit stemmt – und allen möglichen Mitmenschen und Partnern für seine Misere Schuld zuspricht.

Erkennt man diese Unwahrhaftigkeit sich und anderen gegenüber, beginnt die Suche nach Problemlösungen in einem selbst: Wie verdichte ich mein Leben zum Hören auf das innere Wort, das Gewissen:

Wieso? Das hat man oder hat man nicht!? – Nein, es muss gelernt werden wie andere Dinge auch: „Grosse Menschen“ leben es uns häufig unerkannt vor: Wer sich ein bißchen mit deutscher Literatur insbesondere der klassischen Literatur beschäftigt, steht nach ein paar Jahren des Studiums vor der staunenswerten Feststellung, dass diese „Grossen“ zum grossen Teil ein ganz gehöriges Schicksal zu tragen hatten, woran sie aber nicht scheiterten, sondern es mutig trugen.

Kennen Sie unter Ihrer Bekanntschaft und/oder Verwandtschaft auch nur einen Menschen, dem das Schicksal zumutet(e), ALLE seine Lieben, seine Ehefrau und Kinder um Jahre, Jahrzehnte zu überleben?

Einen, dem dies geschah, nennen wir heute fälschlich entrückt den Dichterfürsten: Goethe, um ihn andererseits damit – mindestens sträflich – nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, der selbstironisch, selbsterkennend sagte:  „Man könnt` erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären!“1

Er ist nur eine kleines Beispiel für die Wucht des Lebens, das ja im letzten Jahrhundert Millionen noch weit härter und grausamer getroffen hat – und immer wieder trifft.

Dieses Lebenschaos droht heute überall. Es ist jedes Menschen Aufgabe, die „Zügel der eigenen Lebens“, wie die Mysterienschulen Griechenlands bereits lehrten, in die Hand zu bekommen.

Arbeit an der eigenen Biographie wird dann, wenn das Leiden verwandelt wird, zur Geistestat.

Die sich so stellende Lebensaufgabe beschrieb schon Friedrich Schiller in Anlehnung an seinen Freund Fichte so:

Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechselungen übereinzustimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist.2


Gunther Thriene

 

1) Goethes Verhältnis zu seinem Sohn August, der bereits 1830 in Rom starb, charakterisiert aus den hinterlassenen Dokumenten sehr schön Sigrid Damm in GOETHES LETZTE REISE: „… er wisse, daß er einen sterblichen Sohn gezeugt, soll er … das Wort abgeschnitten haben. … Er ließ die Enkel am kommenden Morgen zu sich kommen und behielt sie um sich, jeden anderen Zuspruch sich versagend. …“, Seite 310 

2) Schiller in seinem vierten Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen


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